Im Januar habe ich angefangen, meine Medikamente ganz langsam auszuschleichen. Und jetzt ist es tatsächlich geschafft: Nach 13 ½ Jahren nehme ich keine Antidepressiva mehr. Für mich fühlt sich das richtig gut an. Nach so vielen Jahren keine Tabletten mehr zu brauchen und nicht mehr jeden Tag daran denken zu müssen, ist irgendwie auch das Ende eines ziemlich langen Kapitels.
In den letzten Tagen habe ich deshalb noch einmal viel darüber nachgedacht, wie diese ganzen Jahre eigentlich waren. Wie sehr haben mir die Medikamente geholfen? Was hat sich durch sie verändert? Was vielleicht auch nicht? Und was habe ich mir damals eigentlich davon erhofft? Dabei habe ich gemerkt, dass mich meine eigene Geschichte gerade wieder sehr beschäftigt.
Mein Roman befindet sich ja ohnehin schon seit einiger Zeit in einer Schreibpause. Eigentlich hatte ich bisher immer im Hinterkopf, irgendwann wieder einzusteigen. Das möchte ich auch weiterhin. Aber im Moment fühlt es sich richtig an, diese Pause erst einmal auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Denn während ich über die vergangenen Jahre nachgedacht habe, kam plötzlich wieder dieses Bedürfnis auf, an meinem Memoir weiterzuschreiben. Da gibt es offenbar noch einiges, das raus möchte. Die Jahre mit Burnout und Depressionen, die vielen Versuche, wieder auf die Beine zu kommen, Therapien, Reha, Tagesklinik, Medikamente und immer wieder die Frage, warum es mir trotz all der Bemühungen nicht so ging, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich glaube, ich habe da noch einiges zu erzählen. Und vielleicht auch einiges für mich selbst zu sortieren. Deshalb möchte ich meinem Memoir jetzt wieder mehr Raum geben und schauen, wohin mich das Schreiben führt. Ohne festen Zeitplan und ohne mir vorzunehmen, wann daraus irgendwann ein fertiges Buch werden muss. Und mein Roman? Der darf solange warten. Ich habe ihn nicht aufgegeben. Aber gerade ist meine eigene Geschichte diejenige, die geschrieben werden möchte. Und Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.
Liebe Grüße, Sonja :)